Home Of The Lame – The Tree Museum

Es muss so um 1993 herum gewesen sein, als mir auf einer Party in Hannover ein junger Schlacks vorgestellt wurde: „Das“, so ein gemeinsamer Freund, „ist Felix Mendelssohn Bartholdy.“ Was natürlich nur so halb stimmte. Aber ich wusste ja auch nicht, wer mir da gegenüberstand, groß und schlaksig. Jedenfalls liefen wir uns damals immer wieder über den Weg, persönlich oder in Tönen. Lange Abende vor dem Plattenspieler mit Platten von Miles Davis und Gram Parsons, auf Konzerten der Melvins.

Seine Songs lernte ich nur ein bisschen später kennen, wahrscheinlich waren das zum ersten Mal die Songs von Numbfire. Oder nein, wahrscheinlich doch Home Of The Lame, damals noch ein Duo mit Jochen Gutsch, der mittlerweile in Australien lebt und als Hinterlandt Musik macht. Damals hauten die beiden Tapes im Monatstakt heraus, so kam es mir jedenfalls vor, voller verrauschter Miniaturen, in denen sich schon ankündigte, was unter dem gleichen Namen später zur Vollendung gelangte.

Natürlich hatte das nichts mit Miles Davis zu tun. Nicht direkt. Mit Gram Parsons schon viel eher, mit Kris Kristofferson und solchen Leuten. Aber irgendwie gehört für mich bei Felix Gebhard immer diese absolute Liebe zu allen möglichen Arten aufregender Musik dazu. Und wenn jetzt, auf der letzten Veröffentlichung von Home Of The Lame, ein Song „Giant Steps“ heißt wie ein Album von John Coltrane, dann bedeutet das zwar nicht, dass sich die Musik von Home Of The Lame in einem Tempo entwickelt hätte wie die von Trane in den Jahren nach 1960. Auch nicht, dass er ähnlich vehement wie jener die Grenzen der Musik wir wir sie kannten niedergerissen hätte. Hier ist Intensität etwas anderes. Eine Unmittelbarkeit, die dann doch wieder mit Jazz zu tun hat, mit einer Aufrichtigkeit, mit der unbeirrbaren Arbeit an der eigenen Kunst. Und ich habe das genau beobachtet. Weil er irgendwie immer da war. Auf der Bühne, allein oder mit der Band Home Of The Lame. Und wenn er mal wieder woanders war, sagten mir seine Songs, wo er gerade war – und manchmal auch, wo er gerade nicht war.

Jetzt will der Mann das Kapitel Home Of The Lame schließen. Die Band lebt verstreut über’s Land, ein jeder mit den unterschiedlichsten Projekten befasst. Und nach 18 Jahren Home Of The Lame muss nun auch mal etwas anderes passieren. So geht Sich-treu-bleiben aber eben auch: „The Tree Museum“ kommt auf dem bandeigenen Label Lametunes auf Vinyl und Download heraus. Mit einer kleinen Tournee nimmt Gebhard mit uns Abschied von Home Of The Lame – nicht von uns. Wer so durchdrungen ist von Musik wie Felix Gebhard, hält das nicht aus. Und das ist gut – für uns. Und „The Tree Museum“ ist ein würdiges Epitaph. Weil es durchaus ein weiterer Schritt im Schaffen von Felix Gebhard und Home Of The Lame ist, was man betonen muss: Home Of The Lame sind ja nicht einfach die Typen, die Felix Gebhards Songs spielen. Alex Böll (Bass), Ingo Schröder (Gitarre), Christian Hake (Schlagzeug) und nicht zuletzt Multitalent Marcus Schneider, der hier nicht nur Gitarre und Keyboards spielt, sondern die Songs auch aufgenommen hat, sind unverzichtbar für Home Of The Lame – hören Sie sich nur einmal diese grandiosen zweistimmigen Gitarren im Titelsong an oder diesen psychedelischen Freakout in „Giant Steps“. Aber auch, weil es lyrisch reflektiert, was in der Zeit seit dem letzten Album „Sing What You Know“ geschah. Und weil es diese spezifische Balance aus Melancholie und Glück hält, für die ich die Musik von Home Of The Lame immer ganz besonders geschätzt habe.

Andreas Schnell
Bremen, April 2012

No Comments

Sorry, the comment form is closed at this time.

Home Of The Lame was a band that existed from 1994 to 2012. You can read a summary of the group’s history here. Or you could do something more interesting instead.

Home Of The Lame’s final EP The Tree Museum is available in 10″ vinyl format from superbuy.at.

The digital version can be purchased here:


Thank you very much!

Home Of The Lame

Home Of The Lame 2012


Photo: Kai Bewersdorf


Sound collage consisting of 21 song fragments from 11 releases by Home Of The Lame. The installation is housed in a vintage 8mm film projector case that served as an effects pedal box on every Home Of The Lame tour since 2004.

Cat On My Lap (The Tree Museum EP, 2012)
New Winter (Here, Of All Places, 2005)
Bench (Home Of The Lame EP, 2003)
Without You (Habitat EP, 2006)
For The Most Part (Sing What You Know, 2008)
Sparkle And Shine (Traveller Demonstration Disc, 1998)
Understand? (Life Without Parties Cassette, 1996)
At Henric’s Place (Twinkle-twinkle blah blah blah etc. EP, 2001)
On Our Way (unreleased, 1998)
What You Were About (Sing What You Know, 2008)
Said And Sung (Sing What You Know, 2008)
Ode To A Friend (Here, Of All Places, 2005)
Serenade To Sweden (Where Is Home, 1999)
Rooftops (Here, Of All Places, 2005)
Maria (Sing What You Know, 2008)
Clouds (Here, Of All Places, 2005)
Enterpainland (Eddie Lo-Fi Cassette, 1995)
A Narrow Path (Sing What You Know, 2008)
The Tree Museum (The Tree Museum EP, 2012)
Find You (Traveller Demonstration Disc, 1998)
A Day Like This (Cup Of Coffee Cassette, 1995)

Video for Giant Steps (2012).

Video for The Tree Museum (2012).

Lametunes

Lametunes was the vehicle for a series of limited Home Of The Lame-related records.

No1: Felix Gebhard – Exit Felix Gebhard CD EP
No2: Ryan Stratton & Felix Gebhard split 7″ EP
No3: Home Of The Lame – The Tree Museum 10″ EP
No4: Felix Gebhard – Wise Words For Elmore Bubbles 12″

Order info and (unlimited) digital downloads via Lametunes’ Bandcamp page.

Records with our tunes on. You can buy them and a T-shirt at ghvc-shop.de. Those of you with lesser haptic demands can download them from iTunes or Finetunes.

Home Of The Lame Discography.

Contact

Drop us a line: info {at} homeofthelame {dot} com

Video for Old Songs (2008).